Unser Blog

Freiwilligkeit bedeutet mehr als freiwilliges gesellschaftliches Engagement. Aufforderungen zu freiwilliger Selbstführung, gesellschaftlich erwünschtem Verhalten und Selbstaufopferung durchdringen unseren Alltag. So werden wir beispielsweise dazu angehalten, gut auf unsere Körper zu achten und das Beste aus unserem Leben zu machen. Es wird von uns als verantwortungsvollen Bürger*innen erwartet, Überstunden zu machen (weil wir unsere Jobs so lieben) oder die Corona-App zu nutzen und vieles mehr. Derartige Freiwilligkeitspraktiken stellen einerseits Freiheitsakte dar, werden aber gleichzeitig durch vielfältige Erwartungen und Bedingungen, die wir nicht beeinflussen können, erst ermöglicht, befördert und manchmal herausgefordert.

Dieser Blog erkundet die Machtstrukturen und -praktiken von Freiwilligkeit und wie Menschen und Gesellschaften über Freiwilligkeit regiert werden. Wir laden Sie ein, mit uns darüber zu diskutieren, wie dies funktioniert und wie sich Freiwilligkeit im Laufe der Zeit und an verschiedenen Orten verändert hat. Dazu schlagen wir vor, Freiwilligkeit aus drei zentralen Perspektiven zu untersuchen:

Norm

Freiwilligkeit als Norm, die zu bestimmten Praktiken und Verhaltensweisen aufruft, andere hingegen auf die eine oder andere Art einschränkt.

Ressource

Freiwilligkeit als Ressource für politische Teilhabe, ökonomische Nutzbarmachung, Bürger-Sein und Subjektivierung.

Diskursstrategie

Freiwilligkeit als Diskursstrategie, die darauf abzielt, soziale Ordnungen und Politiken zu legitimieren, die den einzelnen Akteur*innen manchmal wenig Handlungsspielraum lassen.

Alle Beiträge

Ukrainian flag accept refugees

Krieg und Freiwilligkeit

Von Matthias Ruoss

Bei Krieg hilft Brecht. Vor allem sein 1939 im schwedischen Exil geschriebenes und 1941 im Schauspielhaus Zürich uraufgeführtes Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ bietet mit seinen ambivalenten…

syringe, mask and vaccine

Freiwilligkeit in der Corona-Impfdebatte

Von Jürgen Martschukat

Wer nur flüchtig hinschaut oder gern in klaren Kategorien denkt, versteht Freiwilligkeit leicht als politisches Prinzip einer Gesellschaft, die in der Autonomie eines freien Individuums gründet, das für sich und das Kollektiv gute …

Blaue Ozeanwelle

Mit Schockwellen leben

Von Stefanie Gräfe

Als in diesem Sommer Deutschlands Südwesten von einem „Jahrhunderthochwasser“ heimgesucht wurde, dominierte im medialen Diskurs zunächst vor allem eins: Schock und…

Frau mit Rucksack geht durch den Wald

Into the (Urban) Wild

Von Pia Herzan

Die historisch-philosophischen Anfänge der Freiwilligkeit liegen, wie bei der Ästhetik des Gehens, in der Antike, genauer gesagt in der Nikomachischen Ethik des Aristoteles. Freiwilligkeit ist gegeben, wenn…

Vikings_season5_episode7

Are We Fated?

Von Elena M. E. Kiesel und Markus Dolinsky

Heiden gegen Christen, Brüder gegen Brüder, freier Wille gegen Schicksal: In der kanadisch-irischen Fernsehserie „Vikings“ tauchen die Zuschauenden in eine konfliktgeladene Welt religiöser…

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