Freiwilligkeit global – Teil 3 eines Gesprächs

Silke van Dyk
Tilo Wesche

Silke Van Dyk – Soziologin an der Friedrich Schiller Universität Jena

Matthias Ruoss – Historiker an der Universität Fribourg

Tilo Wesche – Philosoph an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg

Freiwilligkeit in globaler Perspektive. Im Gespräch mit Tilo Wesche, Silke van Dyk und Matthias Ruoss – Teil 3

Jürgen Martschukat: Wir haben Teil eins und Teil zwei des Gesprächs unter anderem festgehalten, dass Freiwilligkeit in vielen Facetten wahrgenommen oder aktiviert werden kann und somit als Konzept nicht eins zu eins auf nicht-westliche Kontexte übertragen werden kann. Eine Nachfrage, die ich an dieser Stelle gerne stellen würde, ist, ob uns die globalen Perspektiven nicht auch Alternativen zum westlich liberalen Regieren über Freiwilligkeit aufzeigen können. Tilo hat dies mit dem Beispiel zu Neuseeland auch bereits angesprochen, aber vielleicht wollen wir es noch etwas akzentuieren. Schaffen globale Perspektiven eine Möglichkeit, andere Formen zu erkennen, zum Beispiel das Verhältnis Mensch Natur zu organisieren, oder auch andere Formen gelebter Solidarität beobachten und untersuchen zu können? Inwiefern müssen wir aufpassen, sensibel sein oder vielleicht den Blick öffnen für die Unterschiedlichkeit der gesellschaftlichen Organisationsformen, von denen im Globalen nochmal ganz andere sichtbar werden können?

Matthias Ruoss: Interessant finde ich in diesem Zusammenhang zu fragen, wie widerständig es wäre, wenn aus Kreisen, die üblicherweise nicht als Freiwillige bezeichnet werden, der Versuch unternommen würde, sich selbst als freiwillig Engagierte zu kennzeichnen und hervorzutun. Freiwillig erbrachte Leistungen wirken nicht nur in der Praxis systemstabilisierend, transformativ oder revolutionär. Es ist auch eine Frage der diskursiven Annahme dieser Zuschreibung. Hat es nicht kritisches Potenzial, wenn, um jetzt mal konkret zu werden, beispielsweise Fluchthelfer:innen auf Lesbos, die sich als Aktivist:innen verstehen, plötzlich als Freiwillige auftreten?

Silke van Dyk: Ein spannender Gedanke. Problemzentrierte, qualitative Interviews mit Engagierten, die wir in einem Vorgängerprojekt zur Instrumentalisierung und Ausbeutung von freiwilligem Engagement erhoben haben, zeigen, dass es in vielen Bereichen Engagierte gibt, die sich selbst als Freiwillige sehen bzw. die Freiwilligkeit ihres Engagements hochhalten. Interessant ist aber, dass nicht jedes freiwillige Engagement auch als solches bezeichnet wird: Je politiknäher das Engagement der Leute ist, desto weniger sehen sie sich als Freiwillige und umso mehr als Aktivist:innen. Das ist interessant, weil uns das natürlich auch etwas über den Load des Begriffes sagt, denn politisches Engagement ist natürlich, rein formal betrachtet, ebenso freiwillig wie soziales Engagement. Allerdings liegt darin genau das Problem: Das, was in unserer Gesellschaft im positiven Sinne als freiwillig gerahmt und affirmiert wird, sind in der Regel die ressourcennahen Aktivitäten. Dies kann man sehr gut am Beispiel der ehrenamtlichen Geflüchtetenunterstützung sehen, in der in den Jahren nach 2015 sehr viele Menschen aktiv waren. Das große Lob galt und gilt den Freiwilligen, die im Alltag Sprachkurse und Beratung anbieten, Nachbarschaftsfeste und Freizeitangebote in Unterkünften organisieren, bei Ämtergängen übersetzen oder sich um Kita- und Schulplätze für geflüchtete Kinder kümmern. Gleichzeitig werden aber diejenigen kritisiert und oftmals sogar kriminalisiert, die bei der Flucht helfen oder Anti-Abschiebe-Proteste organisieren. Hier sieht man diesen instrumentellen Umgang mit Freiwilligkeit in liberalen Ökonomien, der sich dann in den Selbstklassifizierungen als Aktivist:innen oder Freiwillige wiederfindet. Und wir sehen eben, dass die Charakterisierung des sozialen Engagements als freiwilliges Engagement häufig verhindert, Kehrseiten des Engagements zu beleuchten und zu problematisieren. In der Geflüchtetenunterstützung, der Familienhilfe oder in der Pflege finden wir viele Engagierte, die sagen “Ja klar hat der Staat jetzt weniger Ausgaben, weil wir das auffangen. Aber ich mache es ja freiwillig. Ich kann ja jederzeit aufhören, und kann deshalb auch nicht ausgebeutet sein”. Hier liegt ein zentrales Problem des freiwilligen Engagements: Probleme werden nur sehr selten kollektiv adressiert, da in der Regel die individuelle Exit-Option gewählt wird, gewissermaßen die Abstimmung mit den Füßen. So bleibt, von seltenen Ausnahmen abgesehen, eine Politisierung freiwilligen Engagements eher aus.

Tilo Wesche: Ich wollte Matthias Punkt der Selbstzuschreibung nochmals aufgreifen. Man kann diesen Befund auch sprachkritisch deuten, um zu zeigen, wie stark dieser Begriff der Freiwilligkeit gekapert wurde. Er hat eine Bedeutung von Wahlfreiheit oder Freiheit überhaupt angenommen, die sich als Gegensatz zu Zwang, zu Bevormundung, zu staatlicher Regulierung etabliert hat. Auf ebenfalls sinnvolle Weise lässt sich am Beispiel Südafrika während der Apartheid von Freiwilligkeit sprechen. Viele habe sich in einer Anti-Apartheid-Politik engagiert und dem rassistischen Regime widersetzt, trotz einer Debatte unter den Unterdrückten, ob man sich nicht lieber anpassen sollte. Ein wiederkehrendes Argument war “Nein, wir müssen uns engagieren und wir tun es freiwillig”. Das Gleiche kann man bei der Klimapolitik auch sehen. Wir müssen etwas tun, aber diese Handlungen erfolgen freiwillig, weil sie eben nicht staatlich organisiert werden. Das ist eine Bedeutung von Selbstaktivierung, die nicht im Gegensatz zu einer Notwendigkeit steht, sondern geradezu die Notwendigkeit des Handelns mit einschließt. Es ist nach wie vor ein freiwilliges, weil nicht staatliches Handeln, aber dennoch ein notwendiges Handeln. Es ist geradezu ein dringendes Bedürfnis, klimapolitisch aktiv zu sein. Eine solche Selbstaktivierung ist darüber hinaus in bestimmten Ressourcen verankert, die vorausgesetzt werden müssen. Selbstaktivierung steht nicht im luftleeren Raum. Es ist nicht eine gegebene Naturkonstante, sondern auch die Selbstaktivierung muss durch besondere soziale oder kulturelle Kontexte, in denen es überhaupt erst zu einer Selbstaktivierung der Freiwilligkeit kommen kann, ermöglicht werden. Mein Punkt ist, dass die Freiwilligkeit häufig auf einen Begriff verkürzt wird, der im Gegensatz zur Notwendigkeit steht. Wenn wir uns genauer anschauen, was tatsächlich passiert, also wie soziale Bewegungen oder klimapolitisches Engagement etc. zustande kommen, dann sehen wir eine Bedeutung von Freiwilligkeit, die eben diese Notwendigkeit in Gestalt erforderlicher Voraussetzungen oder der Dringlichkeit mit einschließt.

Matthias Ruoss: Absolut einverstanden, denn damit verweist du auf die von mir erwähnten diskursiven Kämpfe um Freiwilligkeit, die sich historisch aufarbeiten lassen. Freiwilligkeit ist nie nur Zuordnung und Disziplinierung, sondern eben auch Emanzipation und Selbstaktivierung, wie du es nennst. Das lässt sich auch an anderen, verwandten Begriffen wie “Zivilgesellschaft” zeigen. Der Begriff der Zivilgesellschaft ist in osteuropäischen Ländern als Gegenbegriff zur staatlich-autoritären Macht eingesetzt worden, der immer auch dazu diente, die Opposition zu legitimieren. Zivilgesellschaft als Konzept wurde daraufhin relativ rasch von westlichen Gesellschaften sowohl analytisch als auch politisch übernommen und in den Steuerungsmodus eingebaut.

Silke van Dyk: Mit einem Punkt möchte ich noch an Tilo anschließen. Erneut eine Beobachtung aus unserer empirischen Forschung: Wir haben einige Engagierte interviewt, insbesondere im Bereich der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe, die sehr deutlich gemacht haben, dass sie nicht finden, dass sie freiwillig engagiert sind, zum Beispiel wenn es um die staatlich nicht gewährleistete medizinische Versorgung von Menschen ohne Aufenthaltsstatus geht. Sie würden, so das Argument, notgedrungen eine gravierende Versorgungslücke mit ihrem Engagement schließen, da dies existenziell notwendig sei. Es ist eine interessante Frage, mit welchem Konzept von Notwendigkeit wir hier operieren. Ich würde zustimmen, dass Notwendigkeit und Freiwilligkeit nicht notwendig in einem Spannungsverhältnis stehen. Aber ich würde zurückfragen, ob es nicht daran liegt, dass es keine objektive Notwendigkeit gibt, sondern nur eine soziale Notwendigkeit, die die Menschen, die sich engagieren, ausgehend von ihren eigenen Werten, Normen und Ansprüchen als solche identifizieren und werten. Denn auch wenn Geflüchtete nicht medizinisch versorgt sind oder wenn wir wissen, wie gravierend die Folgen des Klimawandels sind, kann ich mich diesbezüglich auch nicht engagieren – was eine Mehrheit ja auch tut. Vor diesem Hintergrund ist es sehr interessant, dass von Engagierten gesagt wird, ihr Engagement sei nicht freiwillig, sondern notwendig. Nach unseren Kriterien ist ihre Entscheidung, sich dieses Engagement aufzuerlegen, dennoch eine freiwillige. Hier lohnt aber definitiv eine eingehendere Beschäftigung mit dem Konzept der Notwendigkeit, denn mir leuchtet zugleich auch ein, dass die Engagierten sich individuell ob der Existenzialität des Mangels, den sie mit ihrem Engagement bearbeiten, genötigt fühlen. Es ist eine spannende Frage, ob die Entscheidungsmöglichkeit und mit ihr die Freiwilligkeit hier in der Definition als Notwendigkeit liegt. Dies wäre ein sehr soziales Konzept von Notwendigkeit.

Tilo Wesche: Ich übernehme jetzt weiterhin den Part der Klimapolitik. Ulrike Herrmann spricht ganz häufig von freiwilligen Klimaschutz. Sie betont dabei aber stets, dass das Klima, unser Planet, sich ohnehin verändern wird. Es stelle sich nur die Frage, ob wir uns einfach nur anpassen, nicht eingreifen oder freiwillig mitgestalten. Das zeigt, Freiwilligkeit schwebt nicht jenseits einer Notwendigkeit. Ein anderes Beispiel: Auch wenn ich einen Arbeitsvertrag freiwillig unterschreibe, stehe ich im Kontext der Reproduktion und muss Arbeit aufnehmen. Das wird immer ausgeblendet, da damit ein strikter Antagonismus eingeführt wird. In unserem Projekt der Forschungsgruppe versuchen wir zu zeigen, dass Freiwilligkeit im Sinne von Selbstaktivierung eben nicht antagonistisch zur Notwendigkeit zu denken ist.

Jürgen Martschukat: Ich würde gerne jetzt auf ein drittes Feld kommen, über das ich mit euch sprechen möchte. Vielleicht kann man das mit den gegenwärtigen politischen Entwicklungen der letzten Jahre überschreiben. Es ist bereits hin und wieder angeklungen, dass Freiwilligkeit eine sehr vielschichtige Kraft innerhalb von politischen Kämpfen ist. Wir sprachen bereits über die Mobilisierung von Freiwilligkeit und die politischen Entwicklungen der letzten Jahre. Vor allem das Wiedererstarken rechter Parteien und eine weit verbreitete Begeisterung für vermeintlich starke Führerpersönlichkeiten werfen meines Erachtens verschiedene Fragen nach Freiwilligkeit auf. Man könnte beinahe von einer Form der freiwilligen Unterwerfung sprechen, die sich im Moment vollzieht. Eine erste Frage wäre, ob diese Beobachtung einer Krise der Demokratie auch eine Krise der Freiwilligkeit ist, in dem Sinne, dass sich Menschen letzten Endes in vielen Fällen von neoliberalen Anrufungen, für sich selbst entscheiden zu müssen, sich immer wieder freiwillig aktivieren zu müssen, überfordert fühlen und deswegen vielleicht autoritären Figuren anhängen, die einfache Lösungen versprechen. Im Wahlkampf in den USA [im Herbst 2024] war dies jüngst besonders eklatant zu erkennen. Mir schien es dort so zu sein, dass je simpler die Antwort ist, desto mehr verfängt sie. Die zweite Frage weist in Richtung der politischen Mobilisierung durch Freiwilligkeit: Ist in dem Fall freiwilliges und widerständiges Engagement, wie Matthias betont hat, als eine zentrale Form politischen Handelns jetzt nicht mehr denn je gefragt? Ich weiß, das ist eine sehr große Frage… Wie seht ihr Freiwilligkeit in der jetzt aktuellen politischen Konstellation?

Tilo Wesche: Beides kann man mit einem klaren Ja beantworten. So wie du die Lage beschrieben hast, ist da wenig hinzuzufügen. Der Autokratismus ist gewissermaßen eine Reaktion auf den Neoliberalismus. Durch den Rückzug der staatlichen Problemlösungskompetenzen sind Bürger:innen einfach überfordert, angesichts der alltäglichen Herausforderungen, aber auch der globalen Probleme. Es ist in einem gewissen Maße eine nachvollziehbare Reaktion, dass man sich bei dieser Überforderung entlasten und diese Problemlösungskompetenz einer starken Instanz überlassen möchte. Man gibt sich mit einfachen Antworten zufrieden. Die Genese dieses Autokratismus ist sozusagen wie ein Pendel. Zunächst vollzieht sich eine Neoliberalisierung, der Staat zieht sich zurück, es wird innerhalb der Gesellschaft und des Privaten viel über Freiwilligkeit gesteuert. Das führt zu einer Überforderung und der Reaktion, nämlich der Akzeptanz einfacher Antworten und starker Männer, im Falle Italiens auch einer Frau. Es ist nun ein ganz wichtiger Punkt, dass Freiwilligkeit wieder ein positives, attraktives Gesicht in Bezug auf zivilen Ungehorsam bekommt, wie es auch Matthias schon sagte. Etwas, wo wir uns selbst mobilisieren, aufrufen – und “selbst” meine ich nicht nur in einem individualistischen Sinne, sondern auch in einem kollektiven, als Gruppe. Dies ist das Paradox der Freiwilligkeit: Wir müssen uns freiwillig einbringen und Freiwilligkeit muss mit der starken Dringlichkeit von Notwendigkeit zusammengedacht werden.

Silke van Dyk: Ich möchte gerne den ersten Punkt von Tilo aufgreifen und in eine andere Richtung weiterdenken. In der gegenwärtigen Diskussion über die Ursachen des Erstarkens rechter Kräfte, das auf jeden Fall viel mit Veränderungsmüdigkeit und Überforderung zu tun hat, gibt es gleichwohl auch eine problematische Schlagseite. Häufig wird die Rechtswende als Notwehr der unteren Schichten analysiert – auch genau in dieser Terminologie. Wie gesagt, es gibt darin einen plausiblen Kern, wenn aber die Erklärung in diesem Sinne verengt und als Notwehr gerahmt wird, wird damit eben auch impliziert, dass es keine wirklichen Alternativen zu dieser Reaktion gäbe. Meiner Ansicht nach liegt darin eine gewisse Weigerung anzuerkennen, dass viele Menschen sich freiwillig für ein höchst rassistisches oder frauenfeindliches Angebot entscheiden, denn die Notwehrthese wird allzu schnell als Entlastungsargument gebraucht. Nur vor dem Hintergrund dieser Engführung als soziale Notwehr werden auch die vielen überraschten Kommentare verständlich, dass Trump oder die AfD ja gar nichts für die Armen und weniger Privilegierten tun würden, ihnen das aber keine Zustimmung koste. Als Reaktion darauf muss man sagen: Nein, das war aber auch nie der Punkt rechter Politikangebote. Das Versprechen ist die Ausgrenzung anderer und die Umleitung von Oben-Unten-Fragen in eine nationalistische oder sogar völkische Innen-Außen-Frage. 

Auf einer zweiten Ebene kann man sehen, dass Freiwilligkeit konstitutiv darauf angewiesen ist, dass etwas anders sein kann, als es ist und dass es eben nicht nur eine Möglichkeit des Handelns und der Reaktion gibt. Ich glaube, dass in der Debatte um das Erstarken rechter Kräfte und die aktuellen Gefährdungen der Demokratie zu sehr vernachlässigt wird, dass unter neoliberalen Bedingungen genau diese Gestaltbarkeit gesellschaftlicher Verhältnisse suspendiert worden ist. Es wird verkannt, dass die Rede von der Alternativlosigkeit von Marktentscheidungen oder vom Sachzwang der Austeritäts- und Kürzungspolitik, die neoliberales Regieren über Jahre charakterisiert hat, dass dieses Stillstellen des politischen Streits seine Wurzeln in der neoliberalen Konstellation hat, die dann autoritäre Alternativen auf den Plan ruft. Wenn man es zu Ende denkt, untergräbt bzw. erschwert auch dieses Paradigma der Alternativlosigkeit eine freiwillige, widerständige Selbstaktivierung.

Matthias Ruoss: Als Ergänzung würde ich noch darauf hinweisen, dass dieser Topos der Krise der Freiwilligkeit auch wiederum eine Geschichte hat. Diese lässt sich bis in die späten 1970er Jahre zurückverfolgen. Krise war in dieser Zeit ein zeitgenössisches Signum: Es war gleichzeitig von der Krise des Sozialstaates, der Krise der Arbeitsgesellschaft oder der Krise der Freiwilligkeit die Rede. Rückblickend markierte die bis heute anhaltende Krisenrhetorik nicht nur zeitgenössisch wahrgenommene Brüche, sondern bereitete auch eine Neuverhandlung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung vor. Hinzu kommt, dass die Krise der Freiwilligkeit gegenmobilisiert hat und es nach wie vor tut. In den 1970er Jahren entstand mit den neuen sozialen Bewegungen eine Kraft, die Freiwilligkeit inkorporierte und nutzte, um die gesellschaftlichen Verhältnisse zu transformieren. Das sehen wir heute wieder. Auch die globalen Frauenbewegungen, die klimaorganisierte Jugend oder Black Lives Matter operieren mit Freiwilligkeit. Deshalb würde ich – einmal mehr – von einer ambivalenten Entwicklung sprechen. Die Krise der Freiwilligkeit ist ein diskursiver Trick, den Regierungsmodus zu erneuern und die gesellschaftliche Aufgabenteilung zu stabilisieren. Die Krise der Freiwilligkeit ist aber auch ein Moment, wo soziale Bewegungen auf den Plan treten.

Jürgen Martschukat: Merci. Mir hat unser Gespräch wieder gezeigt, was für ein spannendes Thema Freiwilligkeit ist und wie unglaublich anregend es ist, mit euch zusammenarbeiten zu dürfen…oder zu müssen, weil man sich immer wieder neu hinterfragen muss. Vielen Dank.


Zitiervorschlag: Büttner, Stefanie und Jürgen Martschukat: “Freiwilligkeit in globaler Perspektive. Im Gespräch mit Tilo Wesche, Silke van Dyk und Matthias Ruoss – Teil 3”, Freiwilligkeit: Geschichte | Gesellschaft | Theorie, Juli 2026, https://www.voluntariness.org/de/freiwilligkeit-global-teil-3-eines-gespraechs/.

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