{"id":15102,"date":"2024-12-11T09:30:25","date_gmt":"2024-12-11T08:30:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.voluntariness.org\/?p=15102"},"modified":"2025-02-04T15:16:48","modified_gmt":"2025-02-04T14:16:48","slug":"geben-als-akt-der-freiwilligkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/geben-als-akt-der-freiwilligkeit\/","title":{"rendered":"Geben als Akt der Freiwilligkeit?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\"><div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2480\" height=\"1739\" src=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/12\/indian-women-bombay-1942-post-framke.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15095\" style=\"width:807px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/12\/indian-women-bombay-1942-post-framke.jpg 2480w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/12\/indian-women-bombay-1942-post-framke-250x175.jpg 250w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/12\/indian-women-bombay-1942-post-framke-1141x800.jpg 1141w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/12\/indian-women-bombay-1942-post-framke-1526x1070.jpg 1526w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/12\/indian-women-bombay-1942-post-framke-300x210.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 2480px) 100vw, 2480px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Indische Frauen trainieren f\u00fcr Hilfe im Falle eines Luftangriffs (Air Raid Precautions, ARP), Bombay 1942 (aus der Sammlung des British Imperial War Museum, Public Domain, via <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=27676305\">Wikimedia Commons<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\"><div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"aligncenter size-medium is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"250\" src=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/05\/framke_maria_web-250x250.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13355\" style=\"width:250px\" srcset=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/05\/framke_maria_web-250x250.jpg 250w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/05\/framke_maria_web-800x800.jpg 800w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/05\/framke_maria_web-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/05\/framke_maria_web-1070x1070.jpg 1070w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/05\/framke_maria_web-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-content-primary-color has-text-color wp-block-paragraph\">von <a href=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/project\/maria-framke\/\">Maria Framke<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maria Framke ist Historikerin an der Universit\u00e4t Erfurt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"perspectives-on-voluntariness-and-the-covid-crisis\">Geben als Akt der Freiwilligkeit? Humanit\u00e4re Hilfe im sp\u00e4tkolonialen Indien<\/h2>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Kriegsjahr 1917 traf sich eine kleine Gruppe von Frauen regelm\u00e4\u00dfig in Birbhum, Bengalen, um Rotkreuzarbeit zu leisten. Auf Initiative von Saroj Nalini Dutt (1887\u20131925), einer bengalischen Sozialreformerin und fr\u00fchen Aktivistin f\u00fcr l\u00e4ndliche Entwicklung, n\u00e4hten die Mitglieder der Birbhum Mahil\u0101 Samiti (einer Frauengruppe aus Birbhum) Kleider und stellten Zahnb\u00fcrsten f\u00fcr indische Soldaten her, die im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpften. Dutt, die nach dem Krieg von der Britischen Rotkreuzgesellschaft f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten geehrt wurde, schickte auch monatlich S\u00fc\u00dfigkeiten, Gew\u00fcrze und Zeitungen an Soldaten, die in Mesopotamien dienten.  Die Frauengruppe, die sich in ihrer Arbeit normalerweise auf Themen des sozialen Fortschritts und der Bildung von bengalischen Frauen konzentrierte, ist nur eine von vielen Initiativen indischer humanit\u00e4rer Hilfe w\u00e4hrend der Weltkriege. Das Beispiel wirft die Frage auf, welche Motive es f\u00fcr freiwilliges humanit\u00e4res Engagement gab und wie Beziehungen zum Staat, in diesem Fall zum Kolonialstaat, freiwilliges Handeln verkomplizierten oder sogar verhinderten. <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Folgenden zeige ich am Beispiel des kolonialen Indien in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts auf, warum Unterst\u00fctzung bereitgestellt wurde und in welchen Kontexten Hilfsleistungen eingeschr\u00e4nkt, verboten bzw. erzwungen wurden. W\u00e4hrend im humanit\u00e4ren wie wissenschaftlichen Diskurs auf <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/10.7591\/j.ctt7z8ns\" target=\"_blank\">Moral und Mitgef\u00fchl als Impulsgeber<\/a> verwiesen werden, haben neuere Arbeiten gezeigt, dass die Bereitstellung humanit\u00e4rer Hilfe weltweit ebenfalls eng mit <a href=\"https:\/\/upress.missouri.edu\/9780826273727\/private-aid-political-activism\/\" target=\"_blank\">politischen<\/a>, <a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/abs\/10.17104\/1611-8944_2014_2_175\" target=\"_blank\">wirtschaftlichen und\/oder sozialen Motiven<\/a> verbunden war und ist. <\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Motive f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe: Zwischen Loyalit\u00e4t, Emanzipation, Mitgef\u00fchl und Nationalismus<\/h3>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Beobachtung l\u00e4sst sich auch f\u00fcr <a href=\"https:\/\/lup.nl\/publications\/asian-studies\/ending-famine-in-india\/\" target=\"_blank\">indische humanit\u00e4re Hilfe<\/a> <a href=\"https:\/\/www.cambridge.org\/core\/books\/acts-of-aid\/0E6AADE3EDCCF421BB97C7919C24C544\" target=\"_blank\">in der sp\u00e4ten Kolonialzeit<\/a> nachweisen. Die Kronkolonie Britisch-Indien k\u00e4mpfte auf Seiten Gro\u00dfbritanniens im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Die Kriegsbeitr\u00e4ge Indiens an Menschen, Materialien und Geld waren f\u00fcr Gro\u00dfbritannien von wesentlicher Bedeutung und f\u00fchrten im politischen Bereich verst\u00e4rkt zu indischen Forderungen nach politischen Konzessionen. W\u00e4hrend indische Soldaten in Europa, Afrika, dem Mittleren Osten und S\u00fcdostasien k\u00e4mpften und indisches Geld die Siege der Alliierten mitfinanzierte, wurden in Indien umfangreiche humanit\u00e4re Kampagnen initiiert, die darauf abzielten, milit\u00e4rischen und zivilen Opfern der beiden Weltkriege zu helfen. Inder und Inderinnen stellten in erheblichem Umfang und wiederholt Geld, ben\u00f6tigte Gegenst\u00e4nde (medizinische G\u00fcter, Transportfahrzeuge etc.), Zeit und ihre Arbeitskraft, z.B. durch Transport-, Pflege-, Informations- und Besucherdienste zur Verf\u00fcgung. Im Ersten Weltkrieg waren die Hilfsempf\u00e4nger vorwiegend verwundete und kranke Soldaten \u2013 sowohl indische als auch britische. Jedoch wurden auch in Not geratene Zivilisten sowie Kriegsgefangene von indischen humanit\u00e4ren Organisationen versorgt. Indische Hilfsleistungen f\u00fcr die beiden letztgenannten Gruppen nahmen vor dem Hintergrund des Asiatisch-Pazifischen Krieges und der Bengalischen Hungersnot im Zweiten Weltkrieg rapide zu.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Moralische Erw\u00e4gungen und Mitgef\u00fchl spielten bei indischen Hilfsleistungen ebenso eine Rolle wie eine Reihe weiterer Motive. So war humanit\u00e4re Arbeit, zum Beispiel in Form von Ambulanzeinheiten indischer Freiwilliger w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs, mit einer Motivlage verbunden, die imperiale Loyalit\u00e4t und nationalistische Aspirationen zusammenbrachte. Hilfe \u00fcber Landesgrenzen hinweg war f\u00fcr Mitglieder der freiwilligen Ambulanzeinheiten eine M\u00f6glichkeit, sich aktiv am Krieg zu beteiligen und neue Erfahrungen zu sammeln. Ersteres war besonders f\u00fcr solche Gruppen von Interesse, die zu diesem Zeitpunkt von einer aktiven Rekrutierung ausgeschlossen waren. F\u00fcr die m\u00f6gliche Mobilisierung einer k\u00fcnftig eigenst\u00e4ndigen Nation wurden diese Erfahrungen als ausgesprochen wichtig erachtet, etwa die Disziplinierung oder Wehrhaftigkeit einer Gesellschaft.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die humanit\u00e4ren Aktivit\u00e4ten indischer Frauen w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges wurden ebenfalls durch Patriotismus, Loyalit\u00e4t, Staatsb\u00fcrgerpflicht, Moral und Mitgef\u00fchl motiviert. Dar\u00fcber hinaus war ihre freiwillige Kriegsarbeit aber auch mit Fragen der Emanzipation bzw. der Aus- und Neuverhandlung bestehender Geschlechternormen verbunden. W\u00e4hrend die Aussicht, sich zuk\u00fcnftig politisch und sozial mehr einbringen zu k\u00f6nnen, Inderinnen dazu brachte, sich in den Kriegen zu engagieren, waren die konkreten humanit\u00e4ren T\u00e4tigkeiten oft mit existierenden Vorstellungen von weiblicher Verantwortung zur F\u00fcrsorge und Pflege verbunden.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Freiwilligkeit des Gebens im Kolonialstaat? <\/h3>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die umfangreichen Geld- und Sachspenden wie auch der humanit\u00e4re Einsatz indischer Menschen beinhalteten zun\u00e4chst implizit, aber dann immer offenkundiger Erwartungen nach mehr politischer Teilhabe, die seitens Gro\u00dfbritanniens kaum erf\u00fcllt wurden. Dementsprechend beteiligten sich Inder und Inderinnen zwar auch im Zweiten Weltkrieg an humanit\u00e4ren Initiativen, die eng mit dem kolonialen Staat verbunden waren, so zum Beispiel an der Arbeit des Indischen Roten Kreuzes und an der Indischen St. John Ambulance Association. Jedoch erhielten nun auch gerade viele nationalistische Hilfsorganisationen und -kampagnen, wie die Congress Medical Mission Burma oder die All Bengal Mahila Atma Raksha Samiti, Zulauf und finanzielle Unterst\u00fctzung. Dieser Wandel in der Ausrichtung humanit\u00e4rer Hilfe scheint ein Grund gewesen zu sein, die Freiwilligkeit beim Geben im Zuge von Spendensammlungen durch die britische Kolonialverwaltung sowie durch Firmeninhaber nun vermehrt zu ignorieren. Schon im Ersten Weltkrieg hatten indische Zeitungsbeitr\u00e4ge bezweifelt, dass alle Spenden freiwillig gemacht wurden. Dabei ging es weniger um die Motive indischer Menschen zu spenden bzw. <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Gift_(essay)\" target=\"_blank\">um potenzielle reziproke Erwartungen<\/a>, die damit verbunden waren, sondern konkret um erzwungene Beteiligungen. So bef\u00fcrchteten verschiedene Presseberichte zu Kriegsbeginn zun\u00e4chst, dass bei Sammlungen in Fabriken die Besitzer ihre Arbeiter zu einer Abgabe zwingen k\u00f6nnten. Im sp\u00e4teren Kriegsverlauf berichteten einige indische Zeitungen kritisch davon, dass britische, aber auch indische Kolonialbeamte ihre Macht dazu einsetzen, Spendengelder von jedem verpflichtend einzusammeln. Dieses wiederkehrende Ausbrechen aus der Erz\u00e4hlung des \u201efreiwilligen Gebens\u201c ist zumindest in einigen Quellen festgehalten. Der offizielle Druck bei Spendensammlungen, zum Beispiel f\u00fcr verschiedene humanit\u00e4re Kriegsfonds, erh\u00f6hte sich merklich im Zweiten Weltkrieg und f\u00fchrte in Einzelf\u00e4llen zu lokalem Widerstand der indischen Bev\u00f6lkerung. Die Vorgehensweise der Kolonialregierung unterminierte dabei nicht nur indische Gef\u00fchle imperialer Loyalit\u00e4t, sondern stellte Indiens Position in den gemeinsamen alliierten Kriegsbem\u00fchungen in Frage.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Einfluss des Kolonialstaats auf freiwilliges Geben zeigte sich aber auch in anderer Hinsicht. Hilfsangebote nichtstaatlicher Akteure bedingten keineswegs nur im kolonialen Kontext oftmals einen Aushandlungsprozess mit den staatlichen Beh\u00f6rden. Gerade in milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen konnte Hilfe nicht frei vom staatlichen Einverst\u00e4ndnis und zumeist nicht ohne eine Zusammenarbeit mit staatlichen Akteuren organisiert werden. Dies traf auch f\u00fcr verschiedene humanit\u00e4re indische Initiativen, wie das Indian Field Ambulance Training Corps w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs oder die Congress Medical Mission nach Malaysia 1946 zu. Im kolonialen Kontext gestaltete sich die staatliche Eingriffsmacht jedoch umfassender und tiefgreifender als in der Metropole oder in anderen Teilen des britischen Empires und konnte zu kompletten Verboten der Unterst\u00fctzung, vor allem aus politischen Gr\u00fcnden, f\u00fchren. <\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Ausschluss freiwilliger Hilfe als kolonialstaatliches Instrument<\/h3>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zeigte sich zum Beispiel 1927, als der Ausbruch des chinesischen B\u00fcrgerkriegs zwischen den Nationalisten (Kuomintang) und den Kommunisten die britische Pr\u00e4senz vor Ort herausforderte. Gro\u00dfbritannien reagierte mit der Entsendung der Shanghai Defence Force, zu der auch indische Soldaten geh\u00f6rten. Der Indische Nationalkongress (Indian National Congress, INC), die Organisation, die den indischen Unabh\u00e4ngigkeitskampf anf\u00fchrte, forderte daraufhin nicht nur den R\u00fcckzug der indischen Truppen aus China, da man das britische Vorgehen als imperialistisch wahrnahm. Der INC beschloss au\u00dferdem eine indische Ambulanzeinheit nach China zu senden. Bef\u00fcrchtungen von britischer Seite, dass die angedachte Hilfe vor allem politischen Zwecken diene und als Demonstration gegen die Politik Gro\u00dfbritanniens in China benutzt w\u00fcrde, versuchten die Initiatoren durch wiederholte Hinweise auf die ausschlie\u00dflich humanit\u00e4re Natur der Mission zu zerstreuen. Auch betonte man, dass die Einheit, streng nach den vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes festgelegten Grunds\u00e4tzen arbeiten w\u00fcrde. Die Einw\u00e4nde zeigten unterdes nur wenig Erfolg. Obgleich die Vorbereitungen f\u00fcr die Einheit schon im vollen Gange waren, verweigerte die Kolonialregierung in Delhi in Absprache mit London die Ausstellung der notwendigen P\u00e4sse. Der staatliche Eingriff verhinderte somit die freiwillige, von indischen Nationalisten organisierte humanit\u00e4re Hilfe. Sp\u00e4tere nationalistische humanit\u00e4re Initiativen, wie die <a href=\"https:\/\/www.cambridge.org\/core\/journals\/modern-asian-studies\/article\/we-must-send-a-gift-worthy-of-india-and-the-congress-war-and-political-humanitarianism-in-late-colonial-south-asia\/C2DF5E7DDF5672301039CC07F47CC2D8\" target=\"_blank\">Entsendung von \u00c4rzteteams 1938 nach China<\/a>, 1942 an die indisch-burmesische Grenze und 1946 nach Malaysia unterband die Kolonialregierung zwar nicht mehr in G\u00e4nze, behielt sich aber vor, ihr politisch missliebige Freiwillige auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In unserer heutigen Vorstellung ist humanit\u00e4re Hilfe oft mit Freiwilligkeit verbunden. Das Spenden von Geld- und Sachmitteln sowie der pers\u00f6nliche Einsatz von Zeit und Arbeitskraft w\u00e4hrend humanit\u00e4rer Krisen basierte und basiert, so die Idee, auf einem freiwilligen Geben. Von dieser Pr\u00e4misse ausgehend, erhob das IKRK 1965 Freiwilligkeit zu einem seiner sieben humanit\u00e4ren Prinzipien. 1986 wurden die <a href=\"https:\/\/www.icrc.org\/sites\/default\/files\/topic\/file_plus_list\/4046-the_fundamental_principles_of_the_international_red_cross_and_red_crescent_movement.pdf\" target=\"_blank\">sieben Grunds\u00e4tze<\/a> \u2013 neben Freiwilligkeit geh\u00f6ren au\u00dferdem Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralit\u00e4t, Unabh\u00e4ngigkeit, Einheit und Universalit\u00e4t dazu \u2013 als verpflichtende Statuten f\u00fcr alle Mitglieder der Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung deklariert. Freiwilligkeit im Verst\u00e4ndnis des IKRK bedeutet dabei die Motivation und Bereitstellung von Hilfe ohne Eigennutz und Gewinnstreben.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Beitrag ist nicht der vielleicht naheliegenden Frage gefolgt, inwieweit es dem IKRK und anderen nicht-staatlichen wie auch staatlichen humanit\u00e4ren Akteur:innen gelang und gelingt, an diesen Prinzipien festzuhalten. Vielmehr wurde hier die Frage aufgeworfen, wie es um die Freiwilligkeit humanit\u00e4ren Handelns unter den Bedingungen britischer Kolonialherrschaft in Indien stand. Dabei wurde gezeigt, dass humanit\u00e4re Hilfe auf komplexen Motiven beruhte, die \u00fcber eine altruistische Freiwilligkeit als vorrangigen Handlungsgrund hinausgingen. Humanit\u00e4res Engagement wurde dar\u00fcber hinaus entscheidend durch die Eingriffsmacht des Kolonialstaates gepr\u00e4gt. Den staatlichen Bed\u00fcrfnissen entsprechend erlaubte, beschr\u00e4nkte oder verbot die britische Kolonialmacht freiwilliges Handeln von indischer Seite. Der Kolonialstaat forderte nachdr\u00fccklich nicht-staatliche Hilfsleistungen ein und erzwang diese in Einzelf\u00e4llen. <\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n<p class=\"has-content-bg-alt-background-color has-background wp-block-paragraph\"><span class=\"has-inline-color has-content-primary-color\">Zitiervorschlag:<\/span> Framke, Maria: &#8220;Geben als Akt der Freiwilligkeit. Humanit\u00e4re Hilfe im sp\u00e4tkolonialen Indien&#8221;, <em>Freiwilligkeit: Geschichte | Gesellschaft | Theorie<\/em>, Dezember 2024, <a href=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/geben-als-akt-der-freiwilligkeit\/\">https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/geben-als-akt-der-freiwilligkeit\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Maria Framke<\/p>\n<p>Welche Motive standen hinter freiwilliger humanit\u00e4rer Hilfe durch Inderinnen und Inder in der Zeit der beiden Weltkriege? Welche M\u00f6glichkeiten zu freiwilligem Engagement oder unterst\u00fctzenden Spenden bestanden innerhalb kolonialer Machtverh\u00e4ltnisse, die daf\u00fcr oftmals komplizierte oder sogar hinderliche Bedingungen boten? Diesen Fragen geht Maria Framke als Historikerin des modernen S\u00fcdasiens in diesem Blogpost nach.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":15098,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152],"tags":[153,417,416,399,274],"class_list":["post-15102","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-blog-de","tag-freiwilligkeit","tag-hilfe","tag-humanitarismus","tag-indien","tag-kolonialismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15102","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15102"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15102\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15258,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15102\/revisions\/15258"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15098"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15102"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15102"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}