{"id":12525,"date":"2022-06-17T17:00:54","date_gmt":"2022-06-17T15:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.voluntariness.org\/?p=12525"},"modified":"2023-08-15T11:00:31","modified_gmt":"2023-08-15T09:00:31","slug":"starb-olvir-fuer-den-glauben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/starb-olvir-fuer-den-glauben\/","title":{"rendered":"Starb \u01ealvir f\u00fcr den Glauben?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\"><div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/06\/Olafr-Haraldsson-Olav-der-Heilige.jpg\" alt=\"\u00d3l\u00e1fr Haraldsson - Olav der Heilige\" class=\"wp-image-12523\" srcset=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/06\/Olafr-Haraldsson-Olav-der-Heilige.jpg 1280w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/06\/Olafr-Haraldsson-Olav-der-Heilige-250x156.jpg 250w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2022\/06\/Olafr-Haraldsson-Olav-der-Heilige-300x188.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tod Olavs des Heiligen, \u2020 1030, christlicher K\u00f6nig Norwegens und &#8220;Ideal&#8221; eines M\u00e4rtyrers &#8211; zumindest aus einer bestimmten Perspektive. <br>(Altarbild, 14. Jahrhundert, Trondheim, von <a ref=\"magnificPopup\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Olav_der_Heilige06.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wikimedia commons<\/a>) <\/figcaption><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\"><div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/03\/Dolinsky-Markus-1024x1024.jpg\" alt=\"Markus Dolinsky\" class=\"wp-image-9395\" style=\"width:256px;height:256px\" width=\"256\" height=\"256\" srcset=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/03\/Dolinsky-Markus-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/03\/Dolinsky-Markus-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/03\/Dolinsky-Markus-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/03\/Dolinsky-Markus-1070x1070.jpg 1070w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/03\/Dolinsky-Markus.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-content-primary-color has-text-color\">Von <a href=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/project\/markus-dolinsky\/\">Markus Dolinsky<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Markus Dolinsky ist Historiker an der Universit\u00e4t Erfurt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"perspectives-on-voluntariness-and-the-covid-crisis\">Starb \u01ealvir f\u00fcr den Glauben? Martyrium, Freiwilligkeit und die Frage der Perspektive<\/h2>\n\n\n\n<p>Als Norwegens christlicher K\u00f6nig \u00d3l\u00e1fr Haraldsson zur Osterzeit 1021 den Hinweis erhielt, dass sein Gefolgsmann \u01ealvir einem heidnischen Opferfest vorstand, entsandte er seine Truppen, um \u01ealvir und dessen Gef\u00e4hrten standrechtlich zu erschlagen. Die so \u00dcberfallenen fanden keine Gelegenheit, sich aus der Aff\u00e4re zu ziehen. Der Tod ereilte sie allem Anschein nach unerwartet und ohne, dass sie sich bewusst daf\u00fcr oder dagegen h\u00e4tten entscheiden k\u00f6nnen. Rund ein Jahrtausend sp\u00e4ter zelebrieren Anh\u00e4nger*innen des Neopaganismus \u01ealvir als einen <a href=\"https:\/\/www.patheos.com\/blogs\/pantheon\/2011\/03\/our-martyr-of-easter-%E2%80%93-olvir-of-egg\/\">heidnischen M\u00e4rtyrer<\/a>, der dem Fanatismus eines Tyrannen zum Opfer fiel. Die Ironie ist nicht zu verkennen, denn ausgerechnet dieser K\u00f6nig, \u00d3l\u00e1fr Haraldsson, gelangte nach seinem eigenen Tod als M\u00e4rtyrer und wichtigster einheimischer Heiliger Skandinaviens zu Ruhm. \u201eMartyrium\u201c ist folglich eine Frage der Perspektive; eine Konstruktion, die weniger von (oftmals nicht \u00fcberpr\u00fcfbaren) pers\u00f6nlichen \u00dcberzeugungen und Entscheidungen abh\u00e4ngt, als von retrospektiven, teilweise erst Jahrhunderte sp\u00e4ter formulierten Zuschreibungen durch Dritte. Freiwilligkeit als typisches Element christlicher Martyriumsideale bietet sich hierbei als zentrale Kategorie zur Analyse mittelalterlicher Darstellungen an.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend moderne Heid*innen argumentieren m\u00f6gen, dass \u01ealvir f\u00fcr den gemeinsamen Glauben starb, kann sich die Episode aus mittelalterlich-christlicher Perspektive gut in das Dossier eines durchsetzungsf\u00e4higen Missionark\u00f6nigs einf\u00fcgen, der eine Bedrohung f\u00fcr seine eigene, erst k\u00fcrzlich in Norwegen etablierte Religion beseitigt. Obschon die sp\u00e4rliche Quellenlage durchaus Zweifel an der einen wie der anderen Deutung zul\u00e4sst: Ob \u01ealvir tats\u00e4chlich ein Kryptoheide war oder f\u00e4lschlich angeklagt wurde, verr\u00e4t uns der gro\u00dfe isl\u00e4ndische Historiker Snorri Sturluson, der die Ereignisse gut 200 Jahre nach ihrem Geschehen niederschreiben lie\u00df, n\u00e4mlich nicht. Wie f\u00fcr ihn typisch, h\u00e4lt sich Snorri mit einer Bewertung des Beschriebenen zur\u00fcck, erz\u00e4hlt nur, wie der wortgewandte H\u00e4uptling \u01ealvir bei einer fr\u00fcheren Konfrontation mit \u00d3l\u00e1fr die angeblich heidnischen Feste in seinem Bezirk als harmlose gesellige Trinkgelage ohne religi\u00f6sen Hintergrund ausgegeben habe. Zwar sollte man \u00e4u\u00dferst vorsichtig sein, ehe man Snorri irgendeine Sympathie f\u00fcr das Heidentum zuschreibt, doch in Anbetracht seiner gelegentlich anklingenden <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5406\/scanstud.85.4.0455\">Skepsis gegen\u00fcber ungez\u00fcgelter K\u00f6nigsherrschaft<\/a> l\u00e4sst sich die Episode je nach Standpunkt durchaus vielf\u00e4ltig interpretieren: Von einer rechtm\u00e4\u00dfigen Intervention zum Schutz der jungen norwegischen Kirche bis hin zu einem willk\u00fcrlichen Mord, der sich in eine lange Kette k\u00f6niglicher Grausamkeiten einreiht. Ob Snorri \u01ealvirs Tod nun f\u00fcr gerechtfertigt hielt oder nicht \u2013 von Freiwilligkeit seitens des Get\u00f6teten l\u00e4sst sich nur schwerlich sprechen. Zu gering erscheint der Handlungsspielraum, der dem H\u00e4uptling zugestanden wurde, als dass dieser eine begr\u00fcndete Absicht zu sterben h\u00e4tte formulieren k\u00f6nnen. Akzeptable Alternativen standen ihm anscheinend nicht zur Verf\u00fcgung; so wie die Episode pr\u00e4sentiert wird, hatte \u01ealvir keine M\u00f6glichkeit, <strong>nicht<\/strong> hingerichtet zu werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Missionierung mit allen Mitteln<\/h3>\n\n\n\n<p>Dass ausgerechnet so ein undurchsichtiger Einzelfall wie der des \u01ealvir noch heute als religi\u00f6ser Identifikationspunkt herhalten kann, liegt wohl gerade am Interpretationsspielraum, den Snorris Darstellung er\u00f6ffnet. Es ist n\u00e4mlich keineswegs so, dass die altnordische \u00dcberlieferung keine anderen, eindeutig heidnischen Opfer der k\u00f6niglichen Christianisierungsbestrebungen kennen w\u00fcrde \u2013 ihre Bewertung durch die Quellen f\u00e4llt nur meistens eindeutig negativ aus. Der Amts- und Missionsvorg\u00e4nger von \u00d3l\u00e1fr dem Heiligen, \u00d3l\u00e1fr Tryggvason, verbrachte einen Gro\u00dfteil seiner Regierungszeit (995-1000) damit, die norwegische K\u00fcste zu bereisen und die lokalen H\u00e4uptlinge seiner Macht und dem neuen Glauben zu unterwerfen. Zu einem gewissen Grad setzte er dabei auf Freiwilligkeit, um sich einen loyalen inneren Zirkel von Verb\u00fcndeten aufzubauen. W\u00e4hrend der realpolitische Unterschied zwischen Konversionen aus innerer \u00dcberzeugung und aus sozio\u00f6konomischen Gr\u00fcnden zum Zwecke der Bindung an den Herrscher nicht allzu gro\u00df ausgefallen sein d\u00fcrfte, erfahren die wahren Gl\u00e4ubigen doch eine positivere Bewertung in den Quellen als die Opportunisten. Wo Eloquenz oder gro\u00dfz\u00fcgige politische und wirtschaftliche Anreize ihre Wirkung indes verfehlten, drohte \u00d3l\u00e1fr Gewalt an, und wo die Drohung allein keinen Sinneswandel auszul\u00f6sen vermochte, wurde sie in die Tat umgesetzt. So geh\u00f6ren die brutalen Hinrichtungen heidnischer H\u00e4uptlinge zu den Kernelementen seiner <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.7591\/9781501717901\">Saga<\/a>. In Sachen Grausamkeit und Einfallsreichtum \u2013 sei es seitens desjenigen, der die Hinrichtungen befohlen haben soll, oder derjenigen, die uns davon berichten \u2013 stehen diese Todesf\u00e4lle den christlichen Martyriumslegenden in nichts nach. Das konsequente Festhalten der Verfolgten an ihren inneren \u00dcberzeugungen f\u00fchrt zur grotesken Zerst\u00f6rung ihrer K\u00f6rper.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Hauptproblem, und hier offenbart sich der fundamentale Unterschied zum christlichen Martyrium, ist die Perspektive. Nicht die Anh\u00e4nger*innen der bedrohten und verfolgten Religion erz\u00e4hlen uns von den Geschehnissen, sondern die Glaubensgenossen der siegreichen Verfolger. M\u00f6gen sich die individuellen Situationen ermordeter Christ*innen der r\u00f6mischen Antike und Heid*innen der sp\u00e4ten Wikingerzeit zuweilen noch so \u00e4hnlich gewesen sein, in der Siegergeschichtsschreibung wird das Festhalten an den alten Traditionen zu einem t\u00f6richten, wenn nicht gar verwerflichen Vorhaben. \u201eGute\u201c Heid*innen gibt es zwar in der \u00dcberlieferung, aber entweder konvertieren sie eher fr\u00fch als sp\u00e4t (so z. B. \u00d3l\u00e1fr Tryggvason, der sich in jungen Jahren von einem weitgehend tugendhaften de-facto-Agnostiker zum \u201eApostel des Nordens\u201c gewandelt haben soll) oder sterben lange vor der Hochphase der Christianisierungsperiode, kommen also gar nicht erst in einen wirklichen Glaubenskonflikt. Diejenigen, die sich bis zum bitteren Ende ans Heidentum klammern, obwohl ihnen eine bessere, die einzige richtige Alternative pr\u00e4sentiert wird, k\u00f6nnen gem\u00e4\u00df dieser Perspektive gar keine guten Menschen sein. Manche von ihnen sind nicht einmal echte Menschen, sondern kommen aus einer v\u00f6llig anderen Welt: Eyvindr kinnrifa, ein H\u00e4uptling und Hexenmeister, der von \u00d3l\u00e1fr Tryggvason an den Rand des Todes gefoltert wurde, begr\u00fcndete seinen Starrsinn angeblich damit, keine menschliche Seele zu besitzen, die die Taufe h\u00e4tte empfangen k\u00f6nnen. Nicht alle k\u00f6nnen durch Gottes Botschaft \u201egerettet\u201c werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Freiwilliger Tod als religi\u00f6se und gesellschaftliche Norm<\/h3>\n\n\n\n<p>In den Sagas sterben haupts\u00e4chlich magiekundige oder zumindest in religi\u00f6se Zeremonien eingebundene m\u00e4nnliche Angeh\u00f6rige eines kleinen Segments der Oberschicht f\u00fcr den heidnischen Glauben; eine nach Ansicht kirchlicher Autoren wie des dezidiert pro-k\u00f6niglichen Verfassers der \u00d3l\u00e1fs saga Tryggvasonar, Oddr Snorrason, zu Recht abgel\u00f6ste alte Elite. Insgesamt berichten die Quellen von viel, viel mehr Konvertit*innen als von Get\u00f6teten \u2013 schlie\u00dflich soll ja eine Erfolgsgeschichte erz\u00e4hlt werden. Die wenigen, jedoch hochrangigen Todesopfer dienen als abschreckende Beispiele im komplexen Gewirr von Opportunismus, Zwang und religi\u00f6sem Eifer zur Zeit der Christianisierung: Als \u00d3l\u00e1fr Tryggvason zur Provokation einer heidnischen Versammlung vorschl\u00e4gt, als Menschenopfer nicht nur Sklaven, sondern auch Anf\u00fchrer und Ehefrauen hinzurichten, und demonstrativ einen ihm unliebsamen H\u00e4uptling ermorden l\u00e4sst, kommt es nicht etwa zu einem massenhaften Martyrium, sondern zu einer Massentaufe. Fast niemand will den G\u00f6ttern opfern, wenn das eigene Leben die Opfergabe sein k\u00f6nnte. Dagegen geben die M\u00e4rtyrer*innen der christlichen Legendentradition nur allzu willig die Integrit\u00e4t des K\u00f6rpers auf, um die ungleich wertvollere Integrit\u00e4t der Seele zu bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wenigen \u00fcberlieferten heidnischen M\u00e4rtyrer verlieren beides. Wo sich gute Christ*innen nicht str\u00e4uben, sondern dem Tod freiwillig und mit W\u00fcrde entgegentreten, bem\u00fchen die Hexenmeister vergeblich dunkle M\u00e4chte, um ihr Leben zu retten. Die Saga von \u00d3l\u00e1fr Tryggvason berichtet von Sturmzauber, Verwandlungsmagie und \u00fcbermenschlicher Sprungkraft; mit allen Mitteln wollen die Feinde des Missionsk\u00f6nigs diesem entrinnen. Keinem von ihnen gelingt es, zu gro\u00df ist die Macht, mit der Gott \u00d3l\u00e1fr und seinen Bischof ausgestattet hat. Selbst der bereits erw\u00e4hnte Hexer Eyvindr versucht anfangs zu fliehen. Nach seiner Gefangennahme verweigert er die Taufe nur, weil sie keine echte Option f\u00fcr ihn als Luftgeist in Menschengestalt sei. Episoden wie diese sollen eine eindeutige Botschaft vermitteln: Wie kann der germanische G\u00f6tterglaube eine ernstzunehmende Religion sein, wenn selbst seine gl\u00fchendsten Anh\u00e4nger nicht gewillt sind, daf\u00fcr zu sterben?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Darstellungen sind umso wirkungsvoller, als sie einen doppelten Normbruch abbilden. Selbst losgel\u00f6st von der christlichen Martyriumsrhetorik, die freiwilliges Sterben f\u00fcr den Glauben f\u00fcr essentiell h\u00e4lt, verfehlen die Hexenmeister indigene Werte des alten Skandinavien. Denn nicht nur M\u00e4rtyrer*innen, sondern auch ideale Krieger*innen sterben (vermeintlich) freiwillig, ohne Furcht und Zweifel. Listenreichtum mag Anerkennung einbringen, aber wer der Todesgefahr nicht mit Verstand oder K\u00f6rperkraft, sondern mit <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1515\/9783110678772\"><em>sei\u00f0r<\/em><\/a>, mit Hexerei begegnet, erweckt Misstrauen, Furcht und Abscheu bei den mittelalterlichen Rezipient*innen. Durch den Wegfall eines Narrativs vom freiwilligen Tod kommen die Get\u00f6teten sowohl auf religi\u00f6ser als auch auf s\u00e4kularer Ebene einer zentralen Normerwartung nicht nach. Selbst die n\u00fcchterne Darstellung des Snorri Sturluson muss schon wohlwollend ausgelegt werden, damit \u01ealvir die Z\u00fcge eines eher unspektakul\u00e4ren Helden bekommt, der allenfalls noch als Identifikationsfigur des Widerstands gegen k\u00f6nigliche Tyrannei dienen kann, aber nicht mehr viel mit dem von Freiwilligkeit durchdrungenen Martyriumskonzept zu tun hat. In den weniger nuancierten, st\u00e4rker von Heiligenlegenden beeinflussten Quellen zur nordischen Christianisierung verschmelzen kriegerisches Heldentum und Heiligkeit dann fast vollst\u00e4ndig, wenn furchtlose, aufopferungsbereite Christ*innen auf egoistische heidnische Hexenmeister treffen. Und ein freiwilliger Tod bleibt in derlei Narrativen doch in erster Linie den Guten vorbehalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-content-bg-alt-background-color has-background\">Suggested Citation: Dolinsky, Markus: &#8220;Starb \u01ealvir f\u00fcr den Glauben? Martyrium, Freiwilligkeit und die Frage der Perspektive&#8221;, <em>Freiwilligkeit: Geschichte &#8211; Gesellschaft &#8211; Theorie<\/em>, Juni 2022, <a href=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/starb-olvir-fuer-den-glauben\/\">https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/starb-olvir-fuer-den-glauben\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Markus Dolinsky<\/p>\n<p>Als Norwegens christlicher K\u00f6nig \u00d3l\u00e1fr Haraldsson zur Osterzeit 1021 den Hinweis erhielt, dass sein Gefolgsmann \u01ealvir einem heidnischen Opferfest vorstand, entsandte er seine Truppen, um \u01ealvir und&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":12523,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152],"tags":[171,153,264,265,140,137],"class_list":["post-12525","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-blog-de","tag-diskurs","tag-freiwilligkeit","tag-martyrium","tag-norwegen","tag-religion-de","tag-selbstbestimmung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12525","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12525"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12525\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13501,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12525\/revisions\/13501"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12523"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12525"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12525"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12525"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}