{"id":10969,"date":"2021-08-06T18:50:04","date_gmt":"2021-08-06T16:50:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.voluntariness.org\/into-the-urban-wild\/"},"modified":"2023-08-15T11:48:10","modified_gmt":"2023-08-15T09:48:10","slug":"into-the-urban-wild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/into-the-urban-wild\/","title":{"rendered":"Into the (Urban) Wild"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\"><div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/06\/herzan_walking_wild-1200x800.jpg\" alt=\"Frau mit Rucksack geht durch den Wald\" class=\"wp-image-10543\" srcset=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/06\/herzan_walking_wild-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/06\/herzan_walking_wild-250x167.jpg 250w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/06\/herzan_walking_wild-1605x1070.jpg 1605w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/06\/herzan_walking_wild-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/06\/herzan_walking_wild.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\"><div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/03\/herzan_web_300-1-150x150.jpg\" alt=\"Pia Herzan\" class=\"wp-image-8277\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/03\/herzan_web_300-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/03\/herzan_web_300-1.jpg 299w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-content-primary-color has-text-color\">von <a href=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/project\/pia-herzan\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pia Herzan<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Pia Herzan ist Historikerin an der Universit\u00e4t Erfurt<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Freiheit und Freiwilligkeit im Gehen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die historisch-philosophischen Anf\u00e4nge der Freiwilligkeit liegen, wie bei der \u00c4sthetik des Gehens, in der Antike, genauer gesagt in der Nikomachischen Ethik des Aristoteles. Freiwilligkeit ist gegeben, wenn die F\u00e4higkeit vorhanden ist, anders zu handeln. Der britische Philosoph <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/24672572?seq=1#metadata_info_tab_contents\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">John Hyman<\/a> erg\u00e4nzt diese Definition, indem f\u00fcr ihn eine Handlung dann freiwillig ist, wenn sie nicht unwissentlich oder durch Zwang vollzogen wurde. So ist die Freiwilligkeit einer Handlung zugleich die Bedingung die Selbstf\u00fchrung eines Menschen zu beurteilen. Der folgende Blogbeitrag wird diese philosophischen \u00dcberlegungen Hymans auf das Gehen \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gehen unterscheidet sich in diversen kulturellen Kontexten und Formen sowie durch das Zur\u00fccklegen einer gezielten Strecke. Als habituelle Praxis kann die  <a href=\"https:\/\/monoskop.org\/images\/c\/c4\/Mauss_Marcel_1935_1973_Techniques_of_the_Body.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">K\u00f6rpertechnik des Gehens<\/a> unterschiedliche Formen ausbilden, je nach Gesellschaft sowie je nach sozialen Habitus. Zugleich kann ein Gehen auch widerst\u00e4ndig, gar eigensinnig sein, indem es sich dem Zwang eines \u00f6konomisierten Alltags widersetzt und stattdessen begl\u00fcckend und ungezwungen, in Form eines Schlenderns, Spazierens oder Flanierens ausge\u00fcbt wird. Andreas Hetzel bezeichnet diese Art des Gehens als eine Praxis, die ihren Zweck in sich selbst hat, freudvoll und selbsttransformativ ist \u2013 eine genuin <a href=\"https:\/\/www.halem-verlag.de\/medienkultur-als-kritische-gesellschaftsanalyse\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00e4sthetische Praxis<\/a>, mit der sich das Subjekt in jedem Schritt dem Regiert-Werden zu entziehen sucht und die so zugleich eine politisch widerst\u00e4ndige Form annimmt. Doch k\u00f6nnen wir heute noch eine solche Form des Gehens \u00fcberhaupt praktizieren \u2013 selbstbestimmt und selbstzweckhaft sowie freiwillig und frei? <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Grenzen des freien Gehens in der Wildnis<\/h3>\n\n\n\n<p>Schon im 19. Jahrhundert begab sich <a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/magazine\/archive\/1862\/06\/walking\/304674\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Henry David Thoreau<\/a> auf literarische wie auch faktische Streifz\u00fcge durch die nordamerikanische Wildnis, in denen er sich einer Gesellschaft entzog, deren Alltag durch einen verst\u00e4rkten \u00f6konomischen Rechtfertigungsdruck gepr\u00e4gt war. Sein Ziel war ein Wandern ohne Karten und Grenzen, bei dem man im Idealfall sogar seine Heimat im Durchstreifen der Wildnis findet und f\u00fcr das es keinen Endpunkt gibt. Doch gibt Thoreau bereits 1862 zu bedenken, dass es aufgrund der zunehmenden Privatisierung von Land immer schwieriger bis unm\u00f6glich wird, von den Wegen abzukommen und sich in der Wildnis zu verlieren. Ist ein \u00e4sthetisches widerst\u00e4ndiges Gehen, wie Thoreau es zu praktizieren suchte, in unserer Zeit noch m\u00f6glich? Heutzutage werden, nicht nur in Deutschland, Spazierg\u00e4nger*innen mit \u201eNur auf den Wegen\u201c-Schildern, aus Schutz f\u00fcr die Natur oder als Abgrenzung zu Privatgel\u00e4nden, durch die Landschaft geleitet. Die US-amerikanische Schriftstellerin Rebecca Solnit erkl\u00e4rt bereits 2001, dass das goldene Zeitalter des l\u00e4ndlichen sowie st\u00e4dtischen Gehens durch das Verdr\u00e4ngen von \u00f6ffentlichem Raum, der Stellung des Autos und des Voranschreitens von Technologien pass\u00e9 sei. \u00c4u\u00dfere Umst\u00e4nde beeinflussen drastisch die Aus\u00fcbung des Gehens, da die Freiheit, frei zu entscheiden wo oder wohin man gehen will, stark beschnitten wird. Doch wurde dadurch nicht die M\u00f6glichkeit genommen, die Handlung des Gehens freiwillig zu vollziehen. Bewusst und einwilligend kann man die verbliebene Wildnis noch durchstreifen, doch die freie Wegwahl ist begrenzt. So stellt auch Rebecca Solnit fest: <a href=\"https:\/\/www.penguinrandomhouse.com\/books\/332360\/wanderlust-by-rebecca-solnit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201cFreedom to walk is not much use without someplace to go\u201d (Solnit, 2002: 249)<\/a>. Wenn das Gehen als praktische Handlung somit stets in einen Kontext gebettet ist, der die Ausf\u00fchrung der Praxis beeinflusst, dann k\u00f6nnen wir von Thoreau zwar zu lernen versuchen, frei in unseren K\u00f6rpern und somit in unserem Geist zu sein, doch m\u00fcssen zugleich anerkennen, dass die Freiheit der Mobilit\u00e4t ma\u00dfgeblich durch externe Zw\u00e4nge beeinflusst wird und das Gehen so gegebenenfalls nicht oder nur stark eingeschr\u00e4nkt ausge\u00fcbt werden kann. So wird die praktische Wahl des Ortes zwar beschr\u00e4nkt, doch die buchst\u00e4bliche Wahl im freien Entschluss des Gehens existiert weiterhin. So lange also akzeptable Wahlm\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung stehen, untergr\u00e4bt der \u00e4u\u00dfere Zwang zwar die Freiwilligkeit, doch negiert diese nicht. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Widerst\u00e4ndigkeit oder freiwillige Unterwerfung beim Gehen in der Stadt <\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Auf dem Asphalt zu botanisieren, wie der Flaneur bei <a href=\"https:\/\/monoskop.org\/images\/3\/3e\/Benjamin_Walter_Gesammelte_Schriften_Band_5_Das_Passagen-Werk.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Walter Benjamin<\/a>, bedarf der Schulung, denn sich in der Stadt zu verlieren ist anders als in der Wildnis. So muss der urbane Flaneur sich die Stra\u00dfe als \u00f6ffentlichen Raum f\u00fcr das Private erst aneignen. Sein Widerstand richtet sich gegen die architektonische und r\u00e4umliche Gouvernementalit\u00e4t sowie die aufoktroyierte Ordnung des Sozialen. Benjamin bezieht sich, \u00e4hnlich wie der franz\u00f6sische Dichter Charles Baudelaire, auf das neue Pariser Stadtbild der gro\u00dfen Boulevards des Georges Eugene Hausmann. Flanieren als \u00e4sthetische Praxis entsteht, indem sich der Flaneur durch die Stra\u00dfen von Paris treiben l\u00e4sst und sein Schlendern mit einer Langsamkeit aus\u00fcbt, die dem eiligen Treiben der Stadt diametral gegen\u00fcbersteht. Der Flaneur treibt ohne Ziel in seinem M\u00fc\u00dfiggang durch die Gro\u00dfstadt und steht so im offenen Widerstand gegen\u00fcber der arbeitsteiligen, zweckbestimmten Moderne. Im Fast Lane-Leben des heutigen Hyperkapitalismus, das \u00fcberwiegend den Alltag der Menschen bestimmt, scheint der M\u00fc\u00dfiggang des Flaneurs fast verloren gegangen zu sein. Doch neue Formen der Entschleunigung durch diverse Slow-Bewegungen (Slow Living, Slow Travel, Slow Eating), sowie die Zur\u00fcckeroberung der St\u00e4dte durch die Fu\u00dfg\u00e4nger*innen, w\u00e4hrend und vielleicht auch nach der Corona-Krise, k\u00f6nnen dem Flaneur gegebenenfalls zu einem Comeback verhelfen. <\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1173\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/06\/herzan_walking_urban-1173x800.jpg\" alt=\"Mann mit Rucksack geht auf B\u00fcrgersteig\" class=\"wp-image-10541\" srcset=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/06\/herzan_walking_urban-1173x800.jpg 1173w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/06\/herzan_walking_urban-250x171.jpg 250w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/06\/herzan_walking_urban-1569x1070.jpg 1569w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/06\/herzan_walking_urban-300x205.jpg 300w, https:\/\/www.voluntariness.org\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/06\/herzan_walking_urban.jpg 1878w\" sizes=\"auto, (max-width: 1173px) 100vw, 1173px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Dem Vorantreiben der kapitalistischen Urbanisierung setzt <a href=\"https:\/\/monoskop.org\/images\/2\/2a\/De_Certeau_Michel_The_Practice_of_Everyday_Life.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Michel de Certeau<\/a> das Gehen als Raum der \u00c4u\u00dferung, der zur Realisierung des Ortes f\u00fchrt, entgegen. Diese Art der Raumentstehung fehlt in der vorgeschriebenen Ordnung der Stadtkarten und entgeht so der panoptischen Verwaltung der Stadt. Doch k\u00f6nnen wir uns wirklich dem alles sehenden Blick des Stadtplaners oder des urbanen Sicherheitsdispositivs auf diese Weise entziehen? Urbane R\u00e4ume sind zunehmend von einer technokratischen Machtaus\u00fcbung, die bereits Bentham und Foucault analysierten, gepr\u00e4gt. Diese zeigt sich insbesondere in der st\u00e4ndigen Zunahme an digitalen \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen in den Innenst\u00e4dten der Industrienationen, z. B. in der <a href=\"https:\/\/www.cityoflondon.police.uk\/police-forces\/city-of-london-police\/areas\/city-of-london\/campaigns\/campaigns\/2020\/secure-city\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">City of London<\/a> mit \u00fcber 15.000 angebrachten Kameras. Unbeobachtet oder frei bewegen sich die st\u00e4dtischen Spazierg\u00e4nger*innen nur noch selten durch die <a href=\"https:\/\/www.ebooks.com\/en-be\/book\/1580512\/ecology-of-fear\/davis-mike\/?src=feed\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201cScanscapes\u201d<\/a> der urbanen R\u00e4ume. Doch bilden sich gerade <a href=\"https:\/\/www.kulturkaufhaus.de\/de\/detail\/ISBN-9783770561568\/Elberfeld-Rolf\/%C3%84sthetische-Praxis-als-Gegenstand-und-Methode-kulturwissenschaftlicher-Forschung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">im wechselseitigen Prozess der \u00e4sthetischen Praxis<\/a> der \u201cCitification\u201d, zwischen dem Objekt der Stadt und dem Subjekt des Gehenden, <a href=\"https:\/\/papress.com\/products\/sexuality-and-space\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201cBodies-Subjects\u201d<\/a> heraus. Die Aus\u00fcbung des Gehens wird freiwillig als bewusste und einwilligende Handlung des Subjekts ausge\u00fcbt, wenn gleich sie, wie aufgezeigt, keinesfalls frei von \u00e4u\u00dferen Zw\u00e4ngen der <a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/10.1068\/d10808\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201cCarceral City\u201d<\/a> ist. Wie frei bewegen sich also Gro\u00dfstadtbewohner*innen in einem kontrollierten urbanen Raum, der die Wahl der Wege beeinflusst und dessen Kontrolle man sich zu entziehen versucht, indem man sich bewusst auf unbeobachtete und somit dann doch wieder vorgefertigte Wege begibt? Die Freiheit der Wahl, unbemerkt in unangepasster Geschwindigkeit eigene Wege zu gehen, ist begrenzt. Doch unterwerfen sich die meisten Stadtbewohner*innen freiwillig dieser urbanen Machtstruktur und folgen routinierten Abl\u00e4ufen des morgendlichen Pendelns, des t\u00e4glichen Workouts oder reglementierten Shopping-Abl\u00e4ufe. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Freiheit zu gehen: Grenzenloses freiwilliges Gehen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Jegliches Gehen h\u00e4ngt von der Freiheit der uns zur Verf\u00fcgung stehenden Mobilit\u00e4t ab. <a href=\"https:\/\/philpapers.org\/rec\/OLSFFA\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201cFreedom is about choices which we face, and voluntariness about choices we make\u201d (Olsaretti 1998: 53)<\/a>. Freiheit bedeutet frei sein zu handeln, wohingegen Freiwilligkeit bedeutet frei zu handeln. Daher ist es die mangelnde Freiheit und nicht die Freiwilligkeit, die durch \u00f6rtliche und gesellschaftliche Beschr\u00e4nkungen das Gehen reguliert. Dies bekr\u00e4ftigt auch <a href=\"https:\/\/shifter-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Butler-giving-an-account-of-Oneself.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Judith Butler<\/a>, die jede Handlungsf\u00e4higkeit in Bezug zu einem erm\u00f6glichenden und begrenzenden Feld von Zw\u00e4ngen stellt. Im Unterschied zu den Beschr\u00e4nkungen der Handlungsfreiheit ist es nach John Hyman jedoch die Freiwilligkeit einer Handlung, die erst die Selbstf\u00fchrung eines Menschen beurteilt. So kann die Entscheidung des Gehens freiwillig getroffen werden, doch ist dessen Ausf\u00fchrung von externen Umst\u00e4nden abh\u00e4ngig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4sthetisches Gehen kann in der heutigen Zeit somit zwar selbstbestimmt und freiwillig vollzogen werden, doch verfolgt es immer einen Zweck oder untersteht Regulierungen, ob bei Aristoteles und seinem Ziel des Philosophierens, bei Thoreau, der sich zwar f\u00fcr einen Moment in den W\u00e4ldern verlieren kann, um dann doch nach einer bewussten Verstreuung irgendwann seinen Spaziergang zu Hause zu beenden, oder beim <em>Flaneur<\/em>, der sich geflissentlich gegen die aufoktroyierte urbane und soziale Ordnung richtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-content-bg-alt-background-color has-background\"><mark class=\"has-inline-color has-content-primary-color\">Zitiervorschlag: <\/mark>Herzan, Pia: &#8220;Into the (Urban) Wild. Freiheit und Freiwilligkeit im Gehen&#8221;, <em>Voluntariness: History &#8211; Society &#8211; Theory<\/em>, Juli 2021, <a href=\"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/into-the-urban-wild\/\">https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/into-the-urban-wild\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Pia Herzan<\/p>\n<p>Die historisch-philosophischen Anf\u00e4nge der Freiwilligkeit liegen, wie bei der \u00c4sthetik des Gehens, in der Antike, genauer gesagt in der Nikomachischen Ethik des Aristoteles. Freiwilligkeit ist gegeben, wenn&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":10543,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152],"tags":[141,153,145,144,143],"class_list":["post-10969","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-blog-de","tag-freiheit","tag-freiwilligkeit","tag-gehen","tag-umwelt","tag-urbaner-raum"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10969","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10969"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10969\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12776,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10969\/revisions\/12776"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10969"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10969"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.voluntariness.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10969"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}